Trachtenerneuerung als wissenschaftliche Aufgabe
Univ. Prof. Dr. Viktor von Geramb begründete 1934 in der Steiermark, dem Land des großen Reformers Erzherzog Johann, das erste österreichische Heimatwerk. Er hatte Kontakte zu den bereits bestehenden Heimatwerken in der Schweiz und den skandinavischen Ländern. Primär sollten wohl wie in den anderen Ländern die überlieferten Sachgüter der Volkskultur erhalten und im Heimatwerk breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden. In seinen volkskundlichen Heimatwerk – Visionen sah er jedoch eine weitere, große Aufgabe, die es zu realisieren galt - die wissenschaftliche Trachtenforschung, Trachtenpflege und in weiterer Folge eine zeitgemäße Trachtenerneuerung.
Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner, dem Volksliedforscher und Volkskundler Konrad Mautner, den er bereits 1914 kennen lernte, betrieb er umfangreiche volkskundliche Forschungen und Studien als Vorarbeiten zum „Steirischen Trachtenbuch“. Das Werk musste Geramb allerdings alleine vollenden, da Mautner, erst 44-jährig im Jahre 1924 verstarb. In zwei Bänden erschienen, gilt das Steirische Trachtenbuch nach wie vor als das fundamentale Werk der wissenschaftlichen Trachtenforschung. Im selben Jahr, als Geramb sein „Heimatwerk des Steirischen Volkskundemuseums“ begründete, wurde das Tiroler Heimatwerk mit der Zielsetzung, den hart bedrängten Bergbauern durch Heimarbeit zusätzlichen Verdienst zu schaffen, aus der Taufe gehoben.
Der Nationalsozialismus hat, wie so vieles, auch die Heimatwerk – Idee vereinnahmt. So entstanden in dieser Zeit z.B. in Oberdonau (Linz), Kärnten, Wien und in Salzburg Heimatwerke mit parteiideologischen Zielsetzungen, die der „Stärkung der inneren Front“ dienen sollten. Die Heimatwerke, so war der Plan, sollten keine Organisation sein, sondern vielmehr eine „Volksbewegung“, die über allen Organisationen und „volkskulturellen Kräften im Gau“ zu stehen und diese zusammenzufassen hatten. Dieser Plan konnte auf Grund der Kriegswirren nur fragmentarisch realisiert werden. Die NS-Heimatwerke wurden zu Kriegsende alle wieder aufgelöst.
Nur die bereits vor dem Krieg mit anderen Zielsetzungen begründeten Heimatwerke Steiermark und Tirol überlebten. Nach deren Vorbild begannen zuerst Salzburg und Niederösterreich(1946) mit dem Aufbau einer neuen Heimatwerk – Organisation. Es folgten die Bundesländer Oberösterreich (1952), Kärnten und Burgenland (1953) sowie Vorarlberg (1958).
Viktor von Gerambs Idee der wissenschaftlich begleiteten Trachtenerneuerung wurde in allen Bundesländern begeistert aufgegriffen und in Zusammenwirken mit zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Erwachsenenbildungseinrichtungen fortgesetzt, wobei die pflegerischen Bestrebungen der zahlreichen Trachtenerhaltungs- und Brauchtumsvereine seit dem ausgehenden 19. Jhdt. eine wichtige Basis bilden.
Die Gründergeneration der österreichischen Heimatwerke, z. T. Studiumsabsolventen bei Dr. Viktor von Geramb wie Dr. Franz Carl Lipp (Oberösterreich), Dr. Katharina Zwittnig (Steiermark), Dr. Gundl Holaubek–Lawatsch (Steiermark), Dr. Franz Koschier (Kärnten), Dr. Gertrud Heß–Haberlandt (Niederösterreich), Dr. Helene Grünn (Niederösterreich) und Dr. Clara Prickler (Burgenland) sowie Tobi Reiser (Salzburg) und Gertrud Pesendorfer (Tirol) initiierten, gemeinsam mit zahlreichen Persönlichkeiten der Trachtenpflege durch zahlreiche Aktivitäten die bis heute Richtung weisende Trachten – Erneuerungsbewegung der Heimatwerke in Österreich.

- Univ.Prof.Dr.Viktor von Geramb

- Konrad Mautner
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Hier ein kleiner Ausschnitt über die Dreharbeiten in Salzburg!
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