Mit Lust auf Tracht in die Zukunft
Die Tracht ist heute ein nicht wegzudenkendes, reizvolles Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Dabei steht die Tracht in direkter Konkurrenz zur internationalen Mode. Mit gigantischem Werbeaufwand weltweit aktiver Modeketten und Couturier’s wird um die Gunst der Käufer geworben. Unsere Trachtenschneider und -konfektionäre könnten sich diesen Aufwand nie leisten - und brauchen sie erfreulicherweise auch nicht.
Denn Tracht hat wie Heimatwerk einen Regionalbezug, hat mit unserer Heimat zu tun und die Heimat ist in der Regel der Ort, dem unser Herz und unsere Liebe gehört. Die Tracht in all ihren Ausformungen hat somit einen viel höheren emotionalen Stellenwert als schnell wechselnde Mode. Sie ist ein Zeichen von Kontinuität, von individuellem Lebensgefühl mit Stil und Qualität.
Doch – nicht überall wo Tracht draufsteht, ist auch Tracht drin. So gibt es gerade in Zeiten, wenn Tracht „boomt“, immer wieder die abenteuerlichsten Kreationen ohne jeglichen Traditionsbezug. Bereits Viktor von Geramb hat zu diesen Auswüchsen in seinem 1936 veröffentlichten Büchlein über erneuerte Trachten Stellung bezogen:
„Trachtenpflege ist weder ein zeitwidriges Aufwärmen alter, längst abgelebter Formen der Vergangenheit, noch eine bewusste Uniformierung eines Bevölkerungskreises mit einer behördlich bestimmten Einzelform; am allerwenigsten ist sie aber ein geschäftstüchtiges Drauflos – Erfinden von theatralisch wirkenden „Älpler – Kostümen“. Eine zeitgemäße Tracht – und nur eine solche hat die Möglichkeit, wirklich lebendige Tracht zu sein.“
Dieser Aussage ist wohl nichts hinzuzufügen!
Die erneuerten Trachten haben sich im Laufe der Jahrzehnte zu Klassikern der Moderne entwickelt. Die war möglich, weil in vielen Bereichen Umdenkprozesse stattgefunden haben. Dem gesellschaftlichen Wandel entsprechend hat eine weitgehende Entideologisierung stattgefunden. Wurden die Trachten früher von „oben herab“ z. T. mit wissenschaftlicher Sanktionierung bestimmt, wird heute die gesamte Bevölkerung zu kreativem Umgang mit Tracht ermutigt, ohne dabei jedoch in Beliebigkeit zu verfallen. Die Heimatwerke stehen diesem kreativen Prozess hilfreich zur Seite und entwickeln als Anregung immer wieder neue Modellvorschläge oder Variationen zu bestehenden Trachten, jedoch immer mit dem Wissen, dass eine verantwortungsvolle Trachtenerneuerung nur mit guter Kenntnis der historischen Kostümkunde und der gesellschaftlichen Trachtenentwicklung geschehen kann.
Eine wichtige Erkenntnis unserer Zeit ist die Versöhnung mit der Mode. Dr. Gexi Tostmann war eine weise Vordenkerin zu dieser Erkenntnis, welche zu einer Liberalisierung der Trachtenerneuerung führte und damit deren Weiterentwicklung förderte. Dafür gebührt ihr großer Respekt. Tracht und Mode schließen einander nicht aus, es war und ist immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Vieles was heute Tracht ist, wurde von bürgerlichen Modetrends übernommen. Auch heute wird Tracht unter Einfluss von Mode immer wieder neu interpretiert. Die Aufgabe einer in manchen Trachtenpflegekreisen noch üblichen apodiktischen Haltung über echt und unecht trägt zu einer lebendigen Entwicklung unserer Trachten bei.
Die österreichischen Heimatwerke sind als Länderorganisationen nicht überall wirtschaftlich wirklich bedeutenden Unternehmungen, es steht ja auch nicht das große Gewinnstreben im Vordergrund. Fest steht jedoch, dass durch die vornehme Zielsetzung der Heimatwerke, mit den erwirtschafteten Eigenmitteln volks- und alltagskulturelle Entwicklungen zu fördern, im Laufe der Jahrzehnte enorme Kulturförderungsmittel, die ansonsten die öffentliche Hand hätte übernehmen müssen, in den Dienst der Allgemeinheit einfliesen konnten. In ihrer Gesamtheit haben die Heimatwerke mit ihren vielfältigen Aufgaben auch eine wichtige kulturpolitische Bedeutung, wie die verantwortlichen Politiker der Länder und des Bundes immer wieder betonen. Die Heimatwerke erfüllen mit großem Erfolg die sich selbst gestellten Aufgaben, wie die Bemühungen für eine lebendige Entwicklung unserer Tracht eindrucksvoll zeigen.
In nächster Zeit werden wir, ausgehend vom Salzburger Heimatwerk versuchen, neue Technologien zu nutzen und mit allen an Tracht interessierten Personen, Unternehmungen und Institutionen von Wissenschaft, Pflege, Gewerbe und Industrie im gesamten Alpenraum Netzwerke zu installieren, einen Trachten – Cluster aufzubauen. Es gilt, das Gemeinsame aller, die von der Schönheit, Raffinesse und Eleganz unserer Tracht begeistert sind, zu bündeln. Diese, dem europäischen Gedanken folgende, Länder übergreifende Zusammenarbeit ist ein weiterer wichtiger Schritt für eine lebendige Trachtenentwicklung. Auch nachfolgende Generationen sollen Lust auf Tracht haben und sich an diesem unverwechselbaren Kleidungsstil erfreuen.
Hans Köhl
Neuigkeiten
anlässlich der langen Shoppingnacht am 25.4.2013!
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